BRSH Logo HP2020

  • Bogenschützen beim Turnier mit Banner und Logo des BRS- Hamburg
  • Handbiker beim Wettkampf mit Banner und Logo des BRS- Hamburg
  • Rollstuhlbasketball im Spiel mit Banner und Logo des BRS- Hamburg
  • Sitzvolleyballerinnen im Spiel mit Banner und Logo des BRS- Hamburg

Sport in Kürze:

„Der organisierte Sport in Deutschland mit seinen Dachorganisationen Deutscher Olympischer Sportbund (DOSB) und Deutscher Behindertensportverband (DBS) steht für einen wertebasierten Sport. Dazu gehören für uns neben Aspekten wie Toleranz, Vielfalt, Integration, Inklusion, Integrität, Fair Play und vielem mehr selbstverständlich auch die Geltung der allgemeinen Menschenrechte. Wenn wir nun in wenigen Tagen zu den Olympischen und Paralympischen Winterspielen in Peking starten, dann stehen für uns die Athlet*innen im Vordergrund, die vielfach über viele Jahre auf die Verwirklichung ihres olympischen oder paralympischen Traums hingearbeitet haben. Dies gilt umso mehr im Kontext der großen Herausforderungen um die anhaltende Corona-Pandemie. 

Wir blenden aber, wie bereits in der jüngeren olympischen und paralympischen Vergangenheit geschehen, nicht die Realitäten aus, unter denen diese ganz besonderen  Sportgroßveranstaltungen stattfinden. Im engen Austausch mit dem Auswärtigen Amt und Vertreter*innen von NGO´s haben wir die Mitglieder von Team D und Team D Paralympics in die Lage versetzt, sich über die gesellschaftspolitische Situation in China ein eigenes Bild zu verschaffen. Als Delegationsleiter vor Ort werden wir uns in jedem Fall schützend vor unsere Athlet*innen stellen, unabhängig ob sie sich zu nichtsportlichen Themen äußern wollen oder nicht. Athlet*innen dafür verantwortlich zu machen, wo diese Spiele nun stattfinden, wäre nicht fair.“ 

Fünf Gold- und zwei Bronzemedaillen durch drei Athletinnen: So liest sich die Bilanz des 30-köpfigen deutschen Teams nach den ersten Para Schneesport-Weltmeisterschaften im norwegischen Lillehammer. Für die Paralympics in Peking geben sich die Trainer vorsichtig optimistisch und warnen vor einer zu hohen Erwartungshaltung. 

Vier WM-Titel in fünf Rennen: Monoskifahrerin Anna-Lena Forster aus Radolfzell war eines der Gesichter der ersten zusammengelegten Weltmeisterschaft der Sportarten Para Ski alpin, Para Ski nordisch und Para Snowboard. In der Abfahrt, im Super-G, in der Super-Kombination und im Slalom war die 26-Jährige nicht zu schlagen, im Riesenslalom stoppte sie nur das fünftletzte Tor, an dem sie weit in Führung liegend hängen blieb und stürzte. „Es ist schade, dass es nicht fünf Goldene wurden, vielleicht hatte sie die im Kopf. Aber in Richtung Peking muss sie weiter Gas geben, zumal sie selbst mit ihrer Performance nicht so zufrieden war und Luft nach oben hat“, sagte Alpin-Bundestrainer Justus Wolf, für den die WM „wie einkalkuliert“ lief.

Mit Blick auf die Paralympics, die am 4. März in Peking eröffnet werden, betonte Forster trotz ihres größten Erfolges stets, dass ihre Hauptkonkurrenz bei der WM fehlte: Die Japanerin Momoka Muraoka hatte die Reise nach Norwegen pandemiebedingt nicht angetreten – ebenso wie das gesamte Team des Paralympics-Gastgebers China, auch von dort erwartet Forster starke Gegnerinnen. „Es bleibt spannend, weil man die Konkurrenz aus China nicht einschätzen kann“, sagt Wolf. Sportartenübergreifend ist zu erwarten, dass chinesische Athletinnen und Athleten bei den Spielen stark abschneiden werden, auch das ein Grund, warum die WM-Ergebnisse nicht überbewertet werden sollten. Und doch gab es aus deutscher Sicht auch abgesehen von Forster einige Momente und Leistungen, die Mut machen.

Die Stuttgarterin Anja Wicker zeigte im Para Skilanglauf und im Para Biathlon, dass sie läuferisch bereits in Paralympics-Form ist. Nach der für sie selbst überraschenden Bronze-Medaille im Langlauf über die Mitteldistanz gewann sie im Biathlon-Sprint Gold – hauchdünne 1,6 Sekunden vor der Favoritin Oksana Masters aus den USA; es war Wickers zweiter WM-Titel nach Finsterau 2017. Die Paralympicssiegerin im Zehn-Kilometer-Biathlon von Sotschi 2014 hat untermauert: Sie zählt auch für Peking zu den Medaillenkandidatinnen.

Starke Nachwuchs-Leistungen lassen für die Zukunft hoffen

Bronze gab es für Para Skifahrerin Anna-Maria Rieder in der Super-Kombination. Nach Platz vier im Super-G fuhr sie noch an ihrer Teamkollegin Andrea Rothfuss vorbei. Doch in den technischen Disziplinen, dem Riesenslalom und Slalom, verpasste die 21-Jährige mit zwei Mal Platz vier ihre erhoffte zweite Medaille, weil die Konkurrenz in der stehenden Klasse der Frauen extrem stark geworden ist.
Freude machte der Nachwuchs im Para Ski nordisch. Zwar ist der Rückstand zur Weltspitze etwa bei den Frauen mit Sehbeeinträchtigungen im Para Ski nordisch gewaltig, die 15 und 18 Jahre alten WM-Debütantinnen Linn Kazmaier (mit Guide Florian Baumann) und Leonie Walter (mit Guide Pirmin Strecker) zeigten jedoch, dass bald mit ihnen zu rechnen ist. Die 17-jährige Merle Menje verlangte Wicker im Langlauf-Sprint der sitzenden Klasse alles ab und verpasste das Finale nur um eine Hundertstelsekunde. Und auch der 22-jährige Marco Maier arbeitet sich bei den Männern stehend immer mehr an die Besten heran.

Im alpinen Bereich waren mit Christoph Glötzner (18) und Leander Kress (21) bei den stehenden Männern sowie Isabell Thal (22, mit Guide Maximilian Körner) und Luisa Grube (20, mit Guide Luca Traichel) vier Talente dabei, um Erfahrung zu sammeln, wie der Bundestrainer sagt: „Da sind wir sehr zufrieden. Gerade bei den Jungs hätten wir vor zwei Jahren nicht gedacht, dass sie dieses Jahr schon so weit sind, sie haben es gut gemacht.“

Übermächtige Konkurrenz und wiedergenesene Medaillenhoffnungen

Insgesamt bleibt von der WM der Eindruck, dass mit einem Ergebnis wie 2018 bei den Paralympics im südkoreanischen PyeongChang, wo Deutschland sieben Gold-, acht Silber- und vier Bronzemedaillen holte, kaum zu rechnen ist. Der Paralympicssieger im Biathlon über 15 Kilometer, Martin Fleig bei den Männern sitzend, musste in Lillehammer erleben, wie stark umkämpft seine Klasse ist. Clara Klug, in PyeongChang mit Ihrem Guide Martin Härtl zweifache Bronzemedaillen-Gewinnerin im Biathlon, bekommt es mit einer schier übermächtigen russischen Konkurrenz zu tun. Die WM verpasste die 27-Jährige wegen einer Handverletzung, Ende des Monats feiert das Team Klug/Härtl beim Weltcup im schwedischen Östersund die Rückkehr ins Wettkampfgeschehen.

Medaillensammlerin Andrea Rothfuss, bei den Spielen in Südkorea noch mit vier Mal Silber und ein Mal Bronze dekoriert, konnte in Lillehammer erstmals in ihrer Karriere bei einem Großevent keinen Podestplatz erreichen, sah aber, dass sie in der Super-Kombination und im Riesenslalom nicht weit weg ist. Mehr Risiko fordert Wolf von Rothfuss und Rieder, dann seien auch Medaillen möglich: „Dass es nicht mehr positive Ausrutscher nach oben gab, lag auch an der eisigen Piste, mit der sie sich echt schwer getan haben.“

Noemi Ristau zeigte mit Guide Paula Brenzel nach ihrem Kreuzbandriss Ende September mit Platz fünf im Slalom und sechs im Riesenslalom, dass sie Richtung Peking auf einem guten Weg ist, wenngleich der WM-Slalom-Bronzemedaillengewinnerin von 2017 noch Wettkampfpraxis fehlt. „Es ist gut, dass sie langsam wieder voll einsatzfähig ist“, sagt Wolf und hofft auf das Abschluss-Trainingslager Mitte Februar in Südtirol: „Für die Medaillenränge ist noch viel zu tun. Wenn das Zutrauen kommt und sie aktiv schnellere Sachen macht, geht das in die richtige Richtung. Dafür trainieren wir.“

Feinschliff bei Weltcups in Schweden und Vorbereitungs-Trainingslagern

Am Montag kehren die letzten zurückreisenden deutschen Athletinnen und Athleten aus Norwegen heim. Dann heißt es für die meisten: durchatmen und Kopf freikriegen. Und während das alpine Team größtenteils weiter ins schwedische Åre zum Weltcup reist – „hoffentlich negativ getestet, das bleibt die spannendste Frage bis Peking“, wie Wolf sagt – sind im Para Ski nordisch Weltcup in Östersund neben dem Team Klug/Härtl Marco Maier und Nico Messinger (samt Guide Robin Wunderle) dabei.
Das gesamte Para Ski nordisch-Team kommt am 6. Februar im italienischen Livigno wieder zusammen – zu einem zweiwöchigen Trainingslager, in dem die Deutschen den letzten Schliff holen wollen. „Läuferisch sind wir auf einem guten Weg. Beim Schießen fehlt uns der Rhythmus noch etwas, ich denke, das kriegen wir in den Griff“, sagt Bundestrainer Rombach mit Blick auf die Paralympics und verspricht: „Wir werden konzentriert arbeiten.“

Para Snowboard: „Positives Resümee“ der WM-Debütanten

Die deutschen Para Snowboarder waren alle drei erstmals bei einer Weltmeisterschaft dabei. „Ich bin zufrieden und ziehe auch von unserer ersten WM ein positives Resümee“, sagte der deutsche Cheftrainer André Stötzer. Christian Schmiedt hatte sich im Dual Banked Slalom der Klasse LL1 mit Platz sieben und im Snowboard Cross mit Rang zwölf zwei Mal für den Finaltag qualifiziert und scheiterte dort – jeweils aufgrund eines Sturzes – im Viertelfinale. Matthias Keller und Manuel Ness kamen beide nicht über die Qualifikations-Läufe hinaus.

Im Team-Wettbewerb im Snowboard Cross zeigten Keller und Schmiedt mit Platz zehn noch mal gute Leistungen. „Es war für uns alle ein großer Erfahrungsgewinn in Richtung Paralympics“, sagte Stötzer: Alle Nationen außer China waren dabei, deshalb wissen wir nun besser, wo wir stehen und woran wir genau arbeiten müssen, um in Peking noch besser abliefern zu können.“

Am 28. Januar gibt der Deutsche Behindertensportverband e.V. sein Aufgebot für die Paralympics in Peking bekannt. Am 25. Februar fliegt das Team geschlossen zu den Spielen nach China, die vom 4. bis 13. März stattfinden sollen.
 
Langlauf-Staffeln am Schlusstag auf Platz 4 und 5

Am letzten Wettkampftag in Lillehammer standen im Para Skilanglauf die Staffeln auf dem Programm. Die deutschen Auswahlen landeten im Mixed auf Platz fünf und in der offenen Staffel auf Rang vier – siebeneinhalb Sekunden hinter Gastgeber Norwegen auf Bronze. Das Breisgau-Quartett Nico Messinger (mit Guide Robin Wunderle), Alexander Ehler, Martin Fleig und Marco Maier war beim Sieg des Russian Paralympic Committees vor Frankreich zunächst noch knapp hinter den USA und Belarus als Sechste ins Ziel gekommen und rutschte dann aufgrund von Wechselfehlern der Konkurrenz vor. Für mehr als Platz vier reichte es jedoch nicht.

„Schade“, sagte Bundestrainer Ralf Rombach. „Bronze wäre drin gewesen.“ Nico Messinger fand ganz zu Beginn nach leicht versäumten Start keine gute Linie und hing im Stau fest. Das kostete Zeit. „Taktisch war das nicht klug von mir“, merkte er selbstkritisch an. Dennoch nahm die Staffel Selbstbewusstsein für Peking mit. „Wir haben bewiesen, dass wir mitmischen können. Wir sind gut aufgestellt“, stellte der starke Schlussläufer Marco Maier fest.

Keine Medaillenchance hatte die rein weibliche Mixed-Staffel, die hinter der Ukraine, dem Russian Paralympic Committee, Belarus und den USA auf den fünften Platz kam und damit immerhin Polen distanzierte. „Absolut beachtenswert“, nannte Rombach die Leistung seiner Nachwuchskräfte Linn Kazmaier (15 Jahre), Leonie Walter (18), Merle Menje (17) und Johanna Recktenwald (20, mit Guide Valentin Haag). „Sie haben das wirklich gut gemacht.“ Schlussläuferin Recktenwald sprach von „einem tollen Abschluss“ und fügte hinzu: „Das Staffelgefühl ist etwas Besonderes. Mit uns vier hat das prima gepasst.“

Thal und Rothuss erreichen Parallel-Slalom-Achtelfinale

Für das Deutsche Para Skiteam Alpin gab es im abschließenden Parallel-Slalom schon früh die Erkenntnis, dass ein Medaillengewinn schwierig werden würde. Ihre größte Hoffnung, die vierfache Lillehammer-Weltmeisterin Anna-Lena Forster, überstand als 10. nicht einmal die Qualifikation im Damen-Wettbewerb, in dem sehbehinderte, stehende und sitzende Athletinnen mithilfe eines Zeitfaktors gegeneinander starteten.

„Mit der schnellsten Monoski-Zeit nicht in den K.o.-Duellen zu sein, ist schade. Es ist ein cooles Event, hat aber definitiv noch Entwicklungspotenzial“, resümierte Forster und Justus Wolf fügte hinzu: „Die Sitzenden hatten durch den steilen Hang oben definitiv einen Nachteil, das sollte in Zukunft optimiert und reglementiert werden. Es war aber generell gut anzuschauen, mal sehen, ob das künftig ein Teamwettbewerb wird“, sagte der Bundestrainer über das neue Format.

Immerhin: Andrea Rothfuss und Isabell Thal mit Guide Maximilian Körner schafften es bis in die K.o.-Duelle im Achtelfinale. Dort verlor Thal gegen die spätere Weltmeisterin Ebba Aarsjoe aus Schweden, Rothfuss musste sich der viertplatzierten Russin Taisia Foriash geschlagen geben. Luisa Grube mit Luca Traichel als 9. im roten Lauf sowie Christoph Glötzner als 11. und Leander Kress als 14. hatten wie Forster die Qualifikation für die K.o.-Duelle verpasst.

Monoskifahrerin Anna-Lena Forster schnappt sich im Slalom Titel Nummer vier bei der Para Schneesport-WM in Lillehammer, Teamkollegin Anna-Maria Rieder und Anja Wicker im Langlauf-Klassik-Sprint verfehlen die Medaillen an einem Tag, an dem es viele knappe Entscheidungen gab. Die Para Snowboarder scheiden im Team-Event im Viertelfinale aus.

„Es ist gigantisch, ich freue mich wirklich sehr, dass ich es im Slalom geschafft habe“, sagte eine jubelnde Anna-Lena Forster im Zielbereich. In der Abfahrt, im Super-G und in der Super-Kombination hatte die Dominatorin von Hafjell bereits gesiegt, im Riesenslalom am Donnerstag war sie dann kurz vor Schluss mit großem Vorsprung an einem Tor hängen geblieben und gestürzt – ein Rückschlag. Doch im Slalom war Forster von Anfang bis Ende fokussiert und ließ ihrer Konkurrenz in beiden Läufen keine Chance. Fahrtechnisch blieb in den Augen der zweimaligen Paralympics-Siegerin von PyeongChang 2018 aber noch Luft nach oben: „Mit meiner Performance bin ich nicht ganz so zufrieden, aber es hat gereicht und ich freue mich über die Goldmedaille. Die wollte ich unbedingt verteidigen und das habe ich geschafft!“

Im neuen Parallel-Slalom am morgigen Sonntag möchte Forster nun befreit starten – zumal niemand so richtig weiß, was möglich sein wird im Vergleich mit den anderen Klassen: „Jetzt habe ich einfach Bock auf das Parallel-Event, ich will einfach Spaß haben und bin gespannt, was man da erreichen kann.“
 
Anna-Maria Rieder fällt von Rang drei auf den vierten Platz zurück
 
Anna-Maria Rieder, die in der Super-Kombination von Lillehammer noch die Arme im Ziel hochgerissen hatte und sich über Bronze freuen durfte, schlug dieses Mal bitter enttäuscht die Hände über dem Kopf zusammen. Nach der drittbesten Zeit im ersten Durchgang fuhr im zweiten Lauf die Kanadierin Michaela Gosselin vor die 21-jährige Deutsche, die dadurch um 0,58 Sekunden ihre zweite Bronze-Medaille in Norwegen verpasste.

Andrea Rothfuss wurde in der stehenden Klasse Siebte: „Im ersten Lauf war ich ein bisschen träge und bin echt schwer ins Rennen gekommen. Ich konnte mich aber im zweiten Lauf wieder fokussieren und flinker bewegen. Ganz zufrieden bin ich nicht, weil ich weiß, da geht mehr, aber es zeigt mir, dass die Beine noch genug Kraft haben, um im Parallel-Slalom Vollgas zu geben.“
 
Noemi Ristau auf Platz fünf, Luisa Grube fährt erstes WM-Ergebnis ein
 
In der Klasse der sehbehinderten Skifahrerinnen war Noemi Ristau mit Guide Paula Brenzel die beste Deutsche. Die 30-Jährige, die nach einem Kreuzbandriss Ende September mit Platz sechs im Riesenslalom am Donnerstag ihr Comeback auf großer Bühne gegeben hatte, fuhr auf Platz fünf. „Im Slalom habe ich mehr von mir erwartet, da es im Training schon viel, viel besser gelaufen ist“, sagte Ristau, die 2017 mit WM-Bronze ihre bisher einzige WM-Medaille gefeiert hatte: „Ich bin nicht ganz zufrieden, weil ich nicht das gezeigt habe, was ich kann. Aber das ist im Rennen eine andere Situation und ich werde weiter mein Bestes geben.“

Die 20 Jahre junge Luisa Grube, die bei ihrem WM-Debüt im Riesenslalom nach einem Sturz nicht ins Ziel gekommen war, konnte mit Guide Luca Traichel mit Platz elf im Slalom gut leben: „Ich war einfach richtig happy, dass ich im Ziel war nach meinem Riesenslalom vor zwei Tagen. Im zweiten Lauf war es dann noch mal richtig gut, deshalb bin ich glücklich mit meiner Leistung.“

Isabell Thal, Zehnte im Riesenslalom, kam mit ihrem Guide Maximilian Körner nicht in den zweiten Durchgang: „Ich bin ein bisschen enttäuscht, dass ich eingefädelt habe, weil es bis dahin echt gut lief. Es war zwar schwer von den Bedingungen, aber ich habe mich durchgekämpft, deshalb ärgert es mich umso mehr“, sagte die 22-Jährige: „Aber jetzt freue ich mich auf das Parallel-Event morgen.“

 

Para Ski nordisch: Um eine Hundertstel geschlagen

Bei der WM in Lillehammer wird Anja Wicker Sechste im Langlauf-Sprint. Im Halbfinale ist sie eine Hundertstelsekunde schneller als ihre Teamkollegin Merle Menje, die deshalb ausscheidet. Marco Maier scheitert in seinem Semifinale genauso dramatisch.
 
Marco Maier versuchte alles aus sich herauszuholen, doch es sollte um eine Winzigkeit nicht reichen. Der Norweger Kjartan Haugen schob sich auf der Zielgerade am couragiert auftretenden 22-jährigen Allgäuer vorbei, der den Finaleinzug im Klassik-Sprint bei den Männern stehend schon vor Augen hatte und ihn als Halbfinal-Vierter auf denkbar bitterste Weise verpasste.
 
Der „alte Hase“ Haugen, wie ihn der deutsche Bundestrainer Ralf Rombach nannte, ist nicht irgendwer. Bei den Paralympics 2002 in Salt Lake City gewann er Gold im Klassik-Langlauf über fünf Kilometer. „Er hat auf den letzten Metern seine ganze Routine ausgespielt“, sagte Rombach. Marco Maier nahm es sportlich. „Ich bin technisch am Ende etwas zerfallen. Das hat mich Zeit gekostet. Alles in allem bin ich zufrieden“, sagte er.
 
Zehn Minuten vor dem Duell Haugen/Maier hatten zwei weitere Deutsche eine ähnlich knifflige Situation erlebt. Erst das Fotofinish entschied im zweiten Halbfinale bei den Frauen sitzend, wer ins Finale einziehen würde. Anja Wickers Skispitzen schlitterten um eine Hundertstelsekunde früher ins Ziel als die der 17-jährigen WM-Debütantin Merle Menje. „Ich habe alles gegeben. Natürlich tut es weh, wenn es so knapp ist, aber ich freue mich wahnsinnig für Anja“, sagte die hauchdünn Geschlagene. 
 
„Das Fotofinish wäre schöner gewesen, wenn nur eine vor uns gewesen wäre und wir beide ins Finale hätten einziehen können“, sagte Wicker. Im besagten anschließenden Finale, das Oksana Masters (USA) vor Valiantsina Shyts (Belarus) und Natalia Kocherova (Russian Paralympic Committee) gewann, fehlte ihr die Kraft für eine vordere Platzierung, was die 30-Jährige aber nicht grämte. Im Gegenteil: „Es hat total Spaß gemacht. Ich beende die WM mit einem guten Gefühl.“ Merle Menje äußerte sich ähnlich – zurecht, wie der Bundestrainer bestätigte. „Sie hätte es verdient gehabt, ins Finale zu kommen“, sagte Ralf Rombach. „Merle darf viel Selbstvertrauen aus Lillehammer mitnehmen.“ 
 
Die weiteren deutschen Starterinnen und Starter am Samstag konnten nicht ins Rennen um die Finalplätze eingreifen. Martin Fleig beendete sein Halbfinale bei den Männern sitzend als Fünfter, Linn Kazmaier verpasste bei den Frauen mit Sehbeeinträchtigung mit ihrem Guide Florian Baumann als Neunte im Prolog das Halbfinale nur knapp um 1,7 Sekunden hinter der zu diesem Zeitpunkt noch aktuellen Weltmeisterin Carina Edlinger (Österreich). Nico Messinger wurde mit seinem Guide Robin Wunderle bei den Männern mit Sehbeeinträchtigung Elfter der Qualifikation, Alexander Ehler bei den Männern stehend 14.

 

Para Snowboard: Viertelfinal-Aus für im Team-Event

Die deutschen Para Snowboarder trafen im Team-Event, das im Snowboard Cross ausgetragen wurde, im Viertelfinale auf die USA und Südkorea. Matthias Keller, der im Dual Banked Slalom und im Snowboard Cross jeweils knapp in der Qualifikation gescheitert war, erwischte dabei einen starken Beginn für das deutsche Team. Mit dem US-amerikanischen Cross-Bronzemedaillengewinner Evan Strong hielt er gut mit und wurde Zweiter. „Das war ein geiler Heat, er war da bedeutend schneller und konnte Südkorea hinter sich lassen“, sagte Cheftrainer André Stötzer stolz.

Doch weil die maximale Zeitstrafe drei Sekunden betrug, musste Christian Schmiedt, der es als einziger deutscher Para Snowboarder jeweils in die Finals geschafft hatte, zeitgleich mit seinem weniger eingeschränkten südkoreanischen Konkurrenten auf die Strecke, die USA waren da schon enteilt. Mit Platz drei im Viertelfinal-Lauf war für das deutsche Team dann Schluss – in der Gesamtwertung bedeutete das Rang zehn.

„Ich bin zufrieden mit unserem ersten Team-Event überhaupt und ziehe auch von unserer ersten WM ein positives Resümee“, sagte der deutsche Cheftrainer: „Es war für uns alle ein großer Erfahrungsgewinn in Richtung Paralympics. Alle Nationen außer China waren dabei, deshalb wissen wir nun besser, wo wir stehen und woran wir genau arbeiten müssen, um in Peking noch besser abliefern zu können.“
 

Nach zehn Wettkampf-Tagen bei der Para Schneesport-WM hat das deutsche Team fünf Gold- und zwei Bronzemedaillen. Bereits am Donnerstag hatte Anja Wicker auf der Langlauf-Mitteldistanz überraschend Rang drei belegt. Am Freitag gewann Anna-Lena Forster Gold in der Abfahrt. Am Samstag wurden Wicker im Biathlon-Sprint und Forster im Super-G Weltmeisterinnen. Am Montag holte Forster in der Super-Kombination ihr drittes Gold, Teamkollegin Anna-Maria Rieder Bronze. Am morgigen Sonntag, dem letzten Wettkampftag der WM, wartet im Para Ski alpin der Parallel-Slalom und im Para Ski nordisch die Staffel-Rennen auf die Athletinnen und Athleten.
 
Die Para Schneesport-WM in Lillehammer ist die erste zusammengelegte Weltmeisterschaft mit den Sportarten Para Ski alpin, Para Ski nordisch und Para Snowboard. 30 Athletinnen und Athleten aus Deutschland kämpfen vom 13. bis 23. Januar 2022 um die Medaillen.

Quelle: Nico Feißt & Ben Schieler

 
Kader Para Ski alpin:
Noemi Ristau (30, Großostheim, SSG Blista Marburg), Paula Brenzel (22, Bad Hersfeld, Ski Gemeinschaft Kreis Rotenburg), Andrea Rothfuss (32, Freudenstadt, VSG Mitteltal), Anna-Lena Forster (26, Singen, BRSV Radolfzell), Anna-Maria Rieder (21, Garmisch-Partenkirchen, RSV Murnau), Christoph Glötzner (18, Neumarkt in der Oberpfalz, RBA im ASV 1860 Neumarkt), Leander Kress (20, Friedberg, TSV Friedberg), Luisa Grube (20, Göttingen, SSG Blista Marburg), Luca Traichel (16, München, SC Garmisch), Isabell Thal (22, TSV Kareth-Lappersdorf), Maximilian Körner (30, Garmisch-Partenkirchen, SC Partenkirchen).
 
Kader Para Ski nordisch:
Alexander Ehler (52, Leninogorsk (Kasachstan), SV Kirchzarten), Martin Fleig (32, Freiburg, Ring der Körperbehinderten Freiburg), Patrik Fogarasi (46, Dresden, SV Kirchzarten & WSC Oberwiesenthal), Florian Grimm (37, Kempten, SSV Niedersonthofen), Valentin Haag (21, Kirchzarten, SV Kirchzarten), Vivian Hösch (30, Freiburg, SV Kirchzarten), Marco Maier (22, Oberstdorf, SV Kirchzarten), Merle Menje (17, Mainz, StTV Singen), Nico Messinger (27, Freiburg, Ring der Körperbehinderten Freiburg), Johanna Recktenwald (20, St. Wendel, Biathlon Team Saarland), Pirmin Strecker (19, Kirchzarten, SV Kirchzarten), Leonie Walter (17, Freiburg, SC St. Peter), Anja Wicker (30, Stuttgart, MTV Stuttgart), Robin Wunderle (23, Freiburg, SC Todtnau), Linn Kazmaier (15, Oberlenningen, SZ Römerstein), Florian Baumann (20, Beuren, SZ Uhingen).
 
Kader Para Snowboard:
Christian Schmiedt (32, Backnang, SV Germering), Matthias Keller (40, Sigmaringen), Manuel Ness (31, Ochsenhausen, SV Germering).

Für Skifahrerin Anna-Lena Forster ist es „dumm gelaufen“, Martin Fleig fand es „vogelwild“ und fühlte sich „machtlos“ und seine Para Biathlon-Kollegin Anja Wicker kam sich vor „wie auf hoher See“: Die deutschen Medaillenhoffnungen am achten Wettkampftag bei der Para Schneesport-WM in Lillehammer verpufften allesamt – und doch gab es Ergebnisse und Comebacks, die Hoffnung machen.

Weiterlesen ...

Anna-Lena Forster darf sich nach drei Wettbewerben bei der Para Schneesport-WM in Lillehammer Dreifach-Weltmeisterin nennen. Nach Gold in der Abfahrt und im Super-G dominierte sie auch die Super-Kombination. Ihre Teamkolleginnen Anna-Maria Rieder und Andrea Rothfuss kämpften in der stehenden Klasse um Bronze - mit dem besseren Ende für Rieder.

Weiterlesen ...

Goldener Samstag bei der Para Schneesport-Weltmeisterschaft in Lillehammer (Norwegen): Erst sicherte sich Anja Wicker trotz eines Schießfehlers in einem wahren Biathlon-Krimi Gold, dann feierte Anna-Lena Forster im Super-G bereits ihren zweiten WM-Titel.

Weiterlesen ...

Anna-Lena Forster hat bei der Para Schneesport-WM in Lillehammer (Norwegen) die erste Goldmedaille für das deutsche Team gewonnen. Auf einer anspruchsvollen Strecke kürte sich die 26-Jährige zur Abfahrts-Weltmeisterin von Hafjell.

Weiterlesen ...

Anja Wicker überrascht sich am ersten Tag der Weltmeisterschaften im norwegischen Lillehammer selbst und wird Dritte im Para Langlauf über 7,5 Kilometer. Auch die Leistungen der anderen deutschen Starterinnen und Starter stimmen Bundestrainer Ralf Rombach zufrieden. Im Para Snowboard freut sich ein WM-Debütant über die Finalteilnahme, die Alpinen müssen sich wetterbedingt noch einen Tag gedulden, bis es losgeht.

Weiterlesen ...

50 Tage bis zu den Paralympics in Peking: Viele Fragen und Hürden dominieren die Vorbereitung auf die Spiele und dämpfen die Euphorie – Leonie Walter möchte ihre Paralympics-Premiere erleben – Beucher: „Es ist und bleibt das größte Sportereignis für Menschen mit Behinderung“

Weiterlesen ...

„Mini-Paralympics“ sieben Wochen vor den Spielen in Peking: Die Para Schneesport-WM im norwegischen Lillehammer mit Weltmeisterschaften im Para Ski alpin, Para Ski Nordisch mit Langlauf und Biathlon sowie Para Snowboard wird für das 30-köpfige deutsche Team eine ganz besondere Premiere vom 13. bis 23. Januar 2022.

Weiterlesen ...

Wir benutzen Cookies

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.