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Es war ein Nerven-Thriller mit gutem Ende: Léon Schäfer hat bei der Para Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Paris (Frankreich) seinen Titel verteidigt. Nach einem zunächst durchwachsenen Wettkampf lieferte der 26-Jährige im finalen Versuch ab und verbesserte dabei seinen Weltrekord in der Startklasse T63 um einen Zentimeter auf 7,25 Meter. Ali Lacin landete auf Rang fünf. Auf der Bahn gab es am Montag aus deutscher Sicht neben einem fünften Platz über 5000 Meter für Merle Menje eine Bestzeit und zwei Finalqualifikationen zu bejubeln.



Als er in den Katakomben des Stade Charléty zur Dopingkontrolle gebeten wurde, sagte der Kontrolleur zu Léon Schäfer: „Das draußen war einfach, jetzt kommt der schwierige Part“ - und brachte den frischgebackenen Weltmeister damit zum Lachen. Denn was sich zuvor auf der blauen Bahn und in der Sandgrube abgespielt hatte, war alles andere als simpel für Schäfer, der mit 7,24 Metern als Weltrekordhalter und Titelverteidiger angetreten war.

Zwei ungültige Versuche, ein Sicherheitssprung auf 6,52 Meter, der vierte Versuch mit 6,95 Metern und ein weiteres "X" in der Ergebnisliste ließen den Paralympics-Zweiten von Tokio, der beim TSV Bayer 04 Leverkusen unter Erik Schneider trainiert, nicht verzweifeln: „Ich weiß, dass ich im letzten Sprung immer noch einen raushauen kann, ich bin den Weltrekord davor auch im sechsten Versuch gesprungen. Irgendwie, warum auch immer, ist das meistens mein bester Sprung“, sagte er, nachdem er sich mit 7,25 Metern auf Platz eins des Weitsprungs der oberschenkelamputierten Athleten katapultiert hatte und der Däne Daniel Wagner nicht mehr kontern konnte: „Die Goldene schmeckt auf jeden Fall sehr gut! Ich hätte auch noch mehr draufgehabt, aber egal – das hole ich dann im nächsten Jahr bei den Paralympics raus. Hauptsache, ich habe das Ding gewonnen und einen neuen Weltrekord aufgestellt, auch wenn es nur ein Zentimeter ist.“

Nachdem er bei den Paralympics in Tokio noch Zweiter geworden war und anschließend eineinhalb Jahre verletzungsbedingt keinen Wettkampf machen konnte, wurde Schäfer noch professioneller - und belohnte sich nun selbst: „Nach dem Anriss im Kreuzband im vergangenen Jahr habe ich sehr viel geackert, keine halben Sachen gemacht und habe viele Arbeitstage, Schweiß, Tränen und Schmerzen investiert und ich wusste einfach, dass ich den Titel heute gewinnen werde.“ Vorbei ist seine Mission in Paris noch nicht: Am Abschlussabend – Montag, 17. Juli – will er nun auch erstmals die 100 Meter gewinnen.

Enttäuscht war Ali Lacin, der mindestens Platz vier und damit einen Paralympics-Slot für das deutsche Team holen wollte. Am Ende blieb ihm mit 6,29 Metern Rang fünf. „Ich bin diese Saison auch noch nicht besser gesprungen“, sagte der 35-Jährige, der lange Zeit mit gebrochenen Prothesen unterwegs war und die neuen erst vergangene Woche nach monatelangem Warten bekommen hatte: „Die sitzen noch nicht richtig, das ist problematisch. Aber ich schaue nach vorne und hoffe, dass es nächstes Jahr besser wird und ich dann bei den Paralympics dabei sein kann.“
 
Rennrollstuhlfahrerin Merle Menje nach Abi-Stress auf Rang fünf
 
Am Vormittag hatte Rennrollstuhlfahrerin Merle Menje das erste deutsche Finale bestritten. Über 5000 Meter wurde die 18-Jährige vom Stadt-Turnverein Singen, die von Paul Odermatt trainiert wird, in einem taktischen Rennen Fünfte. Zu Rang vier, der Deutschland einen Startplatz für die Paralympics garantiert hätte, fehlten nach einem packenden Sprint mit der Britin Eden Rainbow-Cooper nur sechs Hundertstelsekunden.

Dennoch war die Doppel-Europameisterin, die vergangene Woche zwei Prüfungen und am Freitagabend ihre Abifeier hatte, mehr als zufrieden mit dem Auftakt ihres WM-Mammutprogramms: „Das ist eine verrückte Woche, ein Event kommt nach dem anderen. Ich realisiere das alles noch gar nicht. Aber ich bin froh, dass die Schule jetzt vorbei ist und ich mich auf die WM konzentrieren kann. Mein Rennen war in Ordnung, aber nicht mein bestes. Natürlich ist es schade, dass es so knapp nicht zu Platz vier gereicht hat. Jetzt will ich daran anknüpfen und gerne den Anschluss nach noch weiter vorne bekommen.“

In den zahlreichen Vorläufen hatte es aus deutscher Sicht auch Grund zum Jubel gegeben: Nele Moos (T38) über 100 und Isabelle Foerder (T35) über 200 Meter qualifizierten sich jeweils als Vorlauf-Dritte direkt fürs Finale, zudem sprintete WM-Debütantin Kim Vaske (T47) in 13,09 Sekunden über 100 Meter zu einer persönlichen Bestzeit. Die beiden jüngsten Deutschen, die 16-jährige Friederike Brose (T38) und die 17-jährige Jule Roß (T46), schieden als Neunte und 18. im Vorlauf aus.
 
Nach dem ersten Wettkampftag mit deutscher Beteiligung hat das deutsche Team durch Léon Schäfer eine Goldmedaille gewonnen. Am morgigen Dienstag bietet sich schon früh die nächste Medaillenchance: Fahnenträger Yannis Fischer tritt ab 9.30 Uhr als EM-Dritter und Weltranglisten-Zweiter zum Kugelstoß-Wettbewerb an, zudem startet Katrin Müller-Rottgardt im Weitsprung. Am Abend warten auf Nele Moos über 100 Meter, Isabelle Foerder über 200 Meter und Merle Menje über 800 Meter die Finalrennen, falls Menje sich am Vormittag qualifizieren kann. Zudem wirft Francés Herrmann den Speer ab 18.34 Uhr.

Text: Nico Feißt / DBS

Weitere Informationen:

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