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Weitsprung-Weltrekordhalter Markus Rehm bleibt auch bei der Para Leichtathletik-WM im japanischen Kobe unbesiegt und fliegt zu seinem 15. großen Erfolg, während Noah Bodelier im gleichen Wettkampf auf Platz vier landete. Bereits am Vormittag hatte ihre Leverkusener Teamkollegin Jule Roß für Jubel gesorgt, als die 17-Jährige zur Paralympics-Norm über 400 Meter stürmte. Mathias Schulze stieß die Kugel zu Rang sieben.

Drei Paralympics-Siege, fünf EM-Titel und jetzt zum siebten Mal Weltmeister: Auch die besonderen Umstände verhinderten nicht, dass Markus Rehm im 14. Jahr seiner internationalen Karriere ungeschlagen blieb. Gleich im ersten Versuch sprang er auf 7,95 Meter, was zum Sieg reichen sollte. Die Bestweite von starken 8,30 Metern legte er im fünften Versuch nach. Die WM in Kobe war ein Novum für den 35-Jährigen: Durch die coronabedingt zweimalige Verschiebung von 2021 ins Paralympics-Jahr 2024 findet sie nur drei Monate vor den Spielen in Paris statt. Da der Leverkusener am Samstag noch einen Wettkampf in der Innsbrucker Innenstadt hatte, kam er erst am Montagabend in Japan an, blieb aber vom Rhythmus her in der deutschen Zeitzone, was ihn im Wettkampf nicht beeinträchtigte.
 
„Mir geht es hervorragend. Es war etwas schwer, in den Wettkampf zu finden, weil die Windverhältnisse nicht einfach waren“, sagte der Weltrekordhalter, der im vergangenen Jahr 8,72 Meter in Rhede sprang, „aber wir haben es alle ganz gut hinbekommen und mit 8,30 Metern bin ich super zufrieden. Da ist aber noch viel mehr drin. Wir sind auf dem richtigen Weg und die ganz großen Sprünge kommen noch.“ Zweiter wurde der US-Amerikaner Derek Loccident mit 7,69 Metern, Dritter dessen Landsmann Trenten Merrill mit 7,35 Metern, der Rehms Trainingskollegen Noah Bodelier noch vom Bronzerang verdrängte. Der 20-Jährige, der auch von Steffi Nerius und zudem von Sara Grädtke trainiert wird, kam auf 7,12 Meter. „Die Jungs werden immer besser, der Druck ist auf jeden Fall da“, sagte Rehm: „Das Niveau steigt stetig an in den letzten Jahren, daher muss ich abliefern. Schön, dass mir das heute noch mal gelungen ist, aber die Jungs werden mir in Zukunft das Leben schwer machen und das ist auch gut so. Noah hat schon an der Medaille geschnuppert und ich glaube, dass er das auch künftig kann, wenn ihm einer rausrutscht.“
 
Noah Bodelier, Vize-Juniorenweltmeister von 2019, war nach dem dritten Durchgang auf Rang drei, ließ seinen 7,12 Metern zwei Mal ebenfalls beachtliche 7,11 Meter folgen, wurde aber auf Rang vier verdrängt. Der 20-Jährige war Anfang Mai in Bremen mit 7,49 Metern zur Paralympics-Norm gesprungen. Zum Vergleich: Bei der WM 2023 in Paris war der gebürtige Erkelenzer mit 6,48 Metern noch Achter geworden: „Ich bin ganz konstant gesprungen und daher zufrieden. Ich glaube aber, dass ich noch weiter springen kann in dieser Saison. Heute wäre es auch möglich gewesen, aber leider hat nicht alles gepasst.“ Mit einem Grinsen im Gesicht schob er noch eine Ansage hinterher: „Natürlich hoffe ich, irgendwann ganz oben zu stehen, das sollte immer das Ziel sein.“
 
Jule Roß sprintet in Rekordzeit zum Paris-Ticket
 
Am Vormittag war die Freude ganz auf der Seite von Jule Roß: Die 17-Jährige unterbot in 58,78 Sekunden die Norm für die Paralympics in Paris – da konnte die Athletin vom TSV Bayer 04 Leverkusen es auch verkraften, dass sie nach ihrem mutigen Rennen auf der Zielgeraden noch vom Bronzerang verdrängt wurde. „Ich bin sehr überrascht, das Laufen hat sich ganz gut angefühlt. Mit Platz vier hätte ich vor der WM niemals gerechnet und mit so einer Zeit auch nicht“, sagte Roß, die damit den deutschen Rekord der Klasse T47 weiter deutlich verbesserte, den sie sich am Dienstag im Vorlauf mit 59,64 Sekunden geholt hatte: „Ich habe mich gestern schon riesig gefreut, dass ich das erste Mal unter 60 Sekunden gelaufen bin und jetzt direkt unter 59 – ich bin sprachlos und freue mich sehr, dass die Norm so früh in der Saison abgehakt ist.“
 
Wieder lief sie vor allem auf der Gegengerade stark, auf der wie am Vortag Tausende Schulkinder saßen und ihr begeistert zujubelten: „Da ist das Stadion voller und durch die Lautstärke läuft man noch mal schneller.“ Nach einem freien Donnerstag stehen jetzt noch der Weitsprung und die 200 Meter für die Schülerin an, die von Kira Biesenbach und Erik Schneider trainiert wird: „Da will ich gerne gut abschneiden und Spaß haben. Ich weiß, dass ich gut drauf bin und da geht auf jeden Fall noch was.“
 
Mathias Schulze durch Grippe auf Rang sieben
 
Mathias Schulze wurde im Kugelstoßen Siebter mit 14,89 Metern. Noch Anfang Mai in Leverkusen hatte der Athlet vom BPRSV aus Cottbus die Saisonbestweite von 14,98 Metern gestoßen und sich für die WM vorgenommen, das Paris-Ticket zu lösen. Doch vor Ort in Kobe stoppte den WM-Zweiten von 2017 und Heim-Europameister von 2018 ein hartnäckiger Infekt. „Ich dachte: Cool, ich fliege nach Japan, bin in einem guten Team mit Yannis Fischer, Niko Kappel und Peter Salzer im Training und mache den letzten Schliff Richtung Paralympics-Norm – und dann liegst du 14 Tage im Bett und kannst nix machen. Dadurch sind es neun Zentimeter weniger als in Leverkusen“, sagt der 40-Jährige, der nur knapp in den Endkampf der besten Acht rutschte, dann mit seinem vierten Versuch kurzzeitig auf Rang fünf vorrückte und am Ende Siebter wurde: „Ich habe gekämpft. Nach dem zweiten Stoß war ich fix und alle. Ich habe ich mich gar nicht mehr warmgemacht, sonst hätte ich es nicht geschafft.“
 
Sein Vereinskollege Max Marzillier lief am Abend souverän ins Finale über 400 Meter der Klasse T13. In 50,38 Sekunden wurde er hinter Weltrekordhalter Skander Athmani Zweiter seines Vorlaufs und geht mit der drittbesten Zeit insgesamt ins Finale, das Spannung verspricht: Hinter den beiden Vorlaufsiegern, dem algerischen Top-Favoriten (47,56 Sekunden) und Lokalmatador Ryota Fukunaga (48,88 Sekunden), liefen alle sechs Athleten 50er-Zeiten.
 
Nach sechs von neun Wettkampftagen im Universiade Memorial Stadium im japanischen Kobe hat das deutsche Team von Bundestrainerin Marion Peters vier Gold-, eine Silber- und eine Bronzemedaille durch Merle Menje, Léon Schäfer, Niko Kappel und Markus Rehm auf dem Konto. Mit Blick auf die Paralympics in Paris hat das deutsche Team weiterhin 14 Slots, einen davon holte Merle Menje in Kobe. Neun Athletinnen und Athleten konnten bislang die geforderte Norm erbringen: Neben Jule Roß bei der WM schon zuvor Irmgard Bensusan, Nele Moos, Katrin Müller-Rottgardt mit Guide Noel Fiener, Noah Bodelier, Johannes Floors, Niko Kappel, Markus Rehm und Léon Schäfer.
 
Am Donnerstag macht Lisa Martin Wagner im Kugelstoßen den Anfang für das deutsche Team (2.45 Uhr deutscher Zeit), danach starten Merle Menje (3.40 Uhr) und Lindy Ave (3.56) in ihre Vorläufe über 400 Meter. Menje könnte bei einer erfolgreichen Qualifikation am Abend japanischer Zeit (12.22 Uhr deutscher Zeit) in ihr viertes WM-Finale von Kobe starten, Max Marzillier ist knapp eine Stunde vorher ab 11.27 Uhr im 400-Meter-Finale dabei.
 
Weitere Informationen sowie die Kaderübersicht gibt es in unserem Vorbericht.
 
Text: Nico Feißt / DBS